Der Artikel ist weiterhin als ^^OTHERCONDITION^^ verfügbar.

Die Enteignung der Wahrsager

Studien zum kaiserlichen Wissensmonopol in der Spätantike
 Taschenbuch
Sofort lieferbar | Lieferzeit:3-5 Tage I
ISBN-13:
9783518289167
Einband:
Taschenbuch
Erscheinungsdatum:
24.06.1997
Seiten:
370
Autor:
Marie Theres Fögen
Gewicht:
289 g
Format:
177x108x22 mm
Serie:
1316, suhrkamp taschenbücher wissenschaft
Sprache:
Deutsch
Beschreibung:

Eines Tages beginnt die politische Macht, sich für die Welterklärungen ihrer Umwelt zu interessieren, heftiger zu interessieren als je zuvor. Und sie beginnt - oder verstärkt ihre Bemühungen - mit Befehlen und Gesetzen, mit Privilegien und Zwang, diese Ideen zu bearbeiten. Nicht nur Manichäer und Christen, sondern - etwa gleichzeitig - Astrologen, Philosophen, Magier, Verkünder fremder Götter, Gegenwarts- und Zukunftsdeuter aller Art geraten in das Blickfeld und den Aktionsradius der Politik. Wie sich die Macht der Kaiser im römischen Prinzipat und Dominat zu all diesen Bewerbern um die zutreffende Weltbeschreibung verhielt, welche sie ignorierte oder langfristig duldete, welche sie diskriminierte und welche sie ausrottete - dieses Kapitel spätantiker Geschichte ist das Thema dieses Buches.
Im ausgehenden dritten und vierten Jahrhundert nach Christus erscheint eine Serie von Kaisergesetzen, welche nahezu alle Wahrsager, die die römische Welt gekannt und geschätzt hatte, zu vernichten androht. In diesen Gesetzen dokumentieren sich der Bruch mit alten Gewißheiten und der Aufbau neuer Überzeugungen von der Kompetenz und Legitimität der Weltinterpretation. Während die römischen Juristen und Historiker noch lange in der traditionellen Meinung verharrten, die Interpretation von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sei eine gesetzlich nicht zu regulierende, allein auf individueller Begabung, Wissenschaft und Weisheit basierende Fähigkeit, debattierten heidnische und christliche Großmeister für Weltanschauung, Philosophen, Theologen und gelehrte Literaten, über eine neue Ordnung des göttlichen Willens und menschlichen Wissens. Es entstanden - und hier wurden christliche Autoren federführend - Konzepte, die dazu führen sollten, die Vielzahl von Bewerbern um göttliche Qualitäten auf einen einzigen zu reduzieren, die Unbeherrschbarkeit des freien Willens zu disziplinieren und die Beliebigkeit des Wissens und Wissenwollens zu vermindern. Die Oberhoheit über alles Wissen von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und damit die Definitionsmacht über das, was »gut und wahr« ist, wurde einem einzigen Gott zugeschrieben. Die Verträglichkeit dieser Monopolisierung des Wissens mit der neuen Beschreibung von kaiserlicher Macht begünstigte die Übernahme dieses Modells in die Politik, welche es in Form von Gesetzen publizierte und durchsetzte: Sowenig wie Gott selbst konnte seine Kopie auf Erden, der allwissende Kaiser, konkurrierende Wahrsager neben sich dulden.

Kunden Rezensionen

Zu diesem Artikel ist noch keine Rezension vorhanden.
Helfen sie anderen Besuchern und verfassen Sie selbst eine Rezension.